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Donnerstag, 3. Oktober 2013

Rosenblatt

Mal wieder ein Liebesgedicht aus meiner Sammlung, geschrieben ca. 2006. Sicher nicht die Blüte der Dichtkunst, aber auch nicht so schlecht, dass es in Vergessenheit geraten müsste.

Rosenblatt

Im Winde tanzt ein Rosenblatt
drauf legt’ ich einen Satz
Des Anblicks werde ich nicht satt:
Es ähnelt meinem Schatz

Voller Anmut, lieblich-rein
so flattert es davon
Freier könnt’ es wohl nicht sein
als tanzend in der Sonn’

Die Kälte weicht, mir wird so warm
Ich spüre Deinen Kuss
Du nimmst mich fest in Deinen Arm,
dass ich nicht frieren muss

O lass mich nur das Flüstern sein
das ich legt’ auf das Blatt:
"Ich liebe Dich, nur Dich allein
und werd an Dir nicht satt!"

Anmerkung zur Lizenz: Dieses Gedicht erschien 2006 in der "Campus Artifex" Ausgabe 06/06, Verlag PaperOne, Titel "Und es leuchtet doch...". Da der Verlag die Ausgabe wieder aus dem Programm genommen hat (Restbestände sind über mich erhältlich), stelle ich sie hiermit unter die Creative Commons BY-NC-SA.
Creative Commons Lizenzvertrag
Rosenblatt von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Samstag, 13. April 2013

Ewigkeit

Ungereimte Gedichte wirken auf den ersten Blick einfacher, sind aber ungleich schwerer zu schreiben als Gedichte in fester Vers- und Reimform. Der Dichter hat nichts, woran er sich beim Schreiben "festhalten" kann, kein Schema, dem er wirklich folgen muss. So muss er sich komplett auf sein Gefühl verlassen, wenn er seine Gedanken niederschreibt. Dabei muss jedes Wort und jede Formulierung perfekt sitzen, weil das Ergebnis sonst einfach nur plump wirkt. Oder wie ich es einmal (so ungefähr) angesichts eines politischen Gedichts von *dem* Günter Grass formulierte:

Untereinander
geschriebene Worte
irgendwie
in Versform verpackt
wirken nicht zwangsläufig
intelligenter
und bilden noch lange kein
Gedicht.

Man kann sagen: Wenn ich unbedingt etwas dichten will, aber gerade an Inspirationsmangel leide, reime ich. Wenn ich gerade von der Muse geküsst wurde, geht es auch ohne Reimschema. Das folgende Gedicht ist ein ganz frisches Beispiel für Letzteres.

Ewigkeit

Irgendwo
über dem Regenbogen
verglühen Sterne nicht umsonst
Sternenstaubpartikel tanzen
in den Strahlen fremder Sonnen
Finden einander,
vereinen sich
und bilden Wesen,
die sich wundern
wie sie entstanden sind

Auch in dir, mein Kind,
leben Sterne weiter
Wir sind aus Sternenstaub gemacht
Im Wissen dieses unfassbaren Glücks
sind Endlichkeit und Zeit bedeutungslos
Nach Myriaden Jahren
schauen wir hinaus ins All
und staunen

Nimm meine Hand, ich leite dich
ein Stück, bis du den Weg erkennst
und schütze dich, solang ich es vermag
Dann flieg ich weiter durch das All
und ziehe meine Bahnen immer nah bei dir
Glaube nie, du bist allein
Denn Sternenstaubpartikel
tanzen immer weiter
in die Ewigkeit



Creative Commons Lizenzvertrag
Ewigkeit von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Das Bild "Sternenherz" steht unter CC BY-SA 2.0 - Lizenz, da es unter Verwendung von folgendem Bild aus Wikimedia Commons erstellt wurde:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AM45_-_Pleiades.jpg

Dienstag, 22. Januar 2013

tränenwert

Figurengedichte oder auch Kalligramme sind eine ideale Aufwärmübung für jeden Dichter.
Sie erfordern nur ein geringes Maß an Kreativität und können später wunderbar als dekorative Elemente in anderen literarischen Werken verwendet werden.

Hier ein simples Beispiel. Der Satz an sich ist nicht sonderlich spektakulär, bekommt aber dadurch, dass er in eine passende Form gegossen wurde, wesentlich mehr Ausdruck.

Mein Tipp: Einfach mal selbst probieren!

tränenwert

k
ei
netr
äned
ieserwe
lthatesver
dientsichihr
erzuschä
men

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tränenwert von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Niemalsland

Dieses kleine Gedicht widme ich einer sehr wichtigen Person in meinem Leben. Diese Person wird noch ein wenig warten müssen, bis ich es ihr vorlesen kann. Bis dieses Wesen in der Lage ist, es zu verstehen, wird es vermutlich selbst schon vergessen haben, wie es dort war - im Niemalsland.

Niemalsland

Noch nie sah ich dein Angesicht
Dein Aug' sah nie die Sonne
Du ruhst in schwachem Dämmerlicht
Und kennst nur Klang und Wonne

In deiner Welt ist keine Zeit
kein Raum und kein Verlangen
Ein bloßes Sein in Ewigkeit
von Wärme nur umfangen

Sag, spürst du die Nähe meiner Hand
dort draußen in der Ferne?
Ich kenn's nicht mehr, dein Niemalsland
und wüsst' es doch so gerne

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Niemalsland von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Montag, 10. September 2012

Wenn die Sonne scheint

Heute Morgen lieferte ein befreundeter Blogger und Kollege unter dem Titel Das Lied meines Lebens einen beeindruckenden "Seelenstriptease" ab. Dabei geht es auch und vor allem um das Thema "ungesagte Worte". Ich denke, dass kaum jemand unter uns keine verstorbenen Verwandten hat, denen er gern noch etwas gesagt hätte, bevor sie gingen. Auch mir geht es so, und ich habe meine Emotionen dazu in einige meiner Gedichte einfließen lassen. Die folgenden Zeilen schrieb ich im November 2005, und es lässt sich nicht verheimlichen, dass mich das Lied "Nur zu Besuch" von den "Toten Hosen" dazu inspirierte. Ich habe heute noch einen Kloß im Hals und wässrige Augen, wenn ich es auch nur durchlese. Ermutigt durch Hennings Beitrag, möchte ich dieses Gedicht gern teilen.

Gewidmet ist es meinem Vater.

Wenn die Sonne scheint

Wenn die Sonne scheint
lässt sie dein Lächeln wieder leuchten
und der Winter ist
nur eine Jahreszeit

Wenn die Sonne scheint
denk’ ich an Sommersonnentage
die endlos waren, frei und ungetrübt
da ich mit Worten
viel zu sparsam war

Wenn die Sonne scheint
blickt sie mit deinen weisen Augen
und jeder Sonnenstrahl
fährt über meine Lider
wie die Finger deiner Hand

Kann nicht reden
denn du fehlst mir
Doch ich kann lächeln
wenn die Sonne scheint
so friedlich auf dein Grab

© by Stefan Reichelt

Anmerkung zum Copyright: Entgegen meiner Gewohnheit, alle Texte unter CC-Lizenz zu stellen, möchte ich bei diesem Werk etwas mehr Kontrolle darüber behalten, wo es auftaucht. Deshalb ist es bitte nur nach Genehmigung meinerseits zu verwenden.

Samstag, 2. Juni 2012

Blickgeflüster

Zwar bin ich nicht mehr wirklich als aktiver Literat zu bezeichnen, habe die Freude an kunstvollen Formulierungen aber nie verloren. Zumindest sind meine Fähigkeiten nicht so weit eingerostet, dass ich meiner Frau nicht durch ein kleines Liebesgedicht (ohnehin mein Lieblingsthema im Bereich der Lyrik) meine Zuneigung zeigen könnte.
Gern teile ich mein neuestes Werk mit interessierten Lesern, natürlich wieder unter Creative Commons-Lizenz.

Blickgeflüster

Wo du bist, da ist auch Licht.
Mit dir, mein Feuerquell,
ist Dunkelheit kein Schreckenshort.
In deinen Armen find' ich Ruh'
und Freude auf den nächsten Morgen.

Wo du bist, lockt die Weite
sanfter Täler voll der Wonne,
durch die der Fluss des Lebens rinnt.
Und der Satyr, vom Rausch ermattet,
auf weißen Kissen selig träumt.

Wo du bist, ist auch die Nacht.
Ihr zart gewebter Sternenmantel
verbirgt, was einzig
unsre Augen haben sollen.
Und nur mit nachtdurchwirkten Blicken
kann ich wahrhaft sagen,
wie ich dich seh'.

Creative Commons Lizenzvertrag
Blickgeflüster von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Samstag, 29. Oktober 2011

Die Mär vom kleinen Vampyr

Eines vorweg: Ich mag Halloween nicht. Ich halte es für eine lächerliche Parodie alter Bräuche, kommerziell verwertet. Aber das folgende Gedicht schrieb ich auch nicht zu einem solchen Anlass. Deshalb muss ich mich auch nicht an den genauen Termin halten, es war nur das in den Medien verstärkt auftretende Motiv, das mich an dieses Werk erinnerte.

Es ist unglaublich gruselig, und ich empfehle einen Beruhigungstee mit Baldrian, um diese schockierende Geschichte verarbeiten zu können.

Die Mär vom kleinen Vampyr

Es war einmal ein altes Schloss
mit einem dunklen Wald davor
Und ängstlich scheute jedes Ross,
das schnupperte am Gittertor

Gar weise war der Pferde Scheu,
denn drinnen haust’ zu aller Schrecken
Vampyrfamilie Nebeltreu,
um vor der Sonn’ sich zu verstecken

Der Stammbaum reichte weit zurück
bis hin zum alten Dracula
Schon lange hielt das Liebesglück
und auch ein Kindelein war da

Doch ging’s dem Sohne gar nicht gut;
der Eltern Nerven lagen blank:
Das Kind trank keinen Tropfen Blut
Drum wirkte es recht schwach und krank

Es blieben heil der Opfer Kehlen,
denn Vampyr Junior biss nicht zu
Es schien an Mitleid nicht zu fehlen
mit Mensch und Katze, Schaf und Kuh

Doch dann beim mitternächtlich’ Spiel
noch eh’ die Eltern sich’s versah’n
aus heit’rem Kindermunde fiel
ein kleiner, weißer Kinderzahn

Der Vater eilte rasch herbei,
der Junior biss ihm in die Hand
und auf des Vaters Freudenschrei
kam auch die Mutter angerannt

Von nun an trank mit großer Wonne
das Kind das Blut der Nachbarsleut’
Und blieb es immer fern der Sonne,
so beißt’s durch’s Leben sich bis heut’

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Die Mär vom kleinen Vampyr von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Montag, 10. Oktober 2011

Der Greis

Kürzlich ist mir schlagartig klar geworden, dass ich mich noch nie an einem Herbstgedicht versucht habe. Sicher liegt das daran, dass ich dieser Jahreszeit für gewöhnlich kaum Sympathie entgegen bringe - ich bin eher ein Frühlingsmensch.
Ich nutzte deshalb meinen bevorzugten Arbeitsplatz, die Straßenbahn, um das Versäumnis nachzuholen. Dabei entstand das folgende Werk. Das Reimschema (abaccb) habe ich meines Wissens auch noch nie verwendet. Es gefiel mir aber irgendwie gerade.
Übrigens habe ich das Gedicht aufgrund der ungewohnten Thematik zunächst auf Lyrikecke.de erprobt und verfeinert. Ich kann diese Community sehr empfehlen, bin seit vielen Jahren Mitglied.


Der Greis

Weiße Haare schweben
und welk wird manches Blatt.
Es werden schwer die Reben.
Ein hager Greis kleidet sich an,
kämmt seine Mähne, lächelt dann,
weil er's nicht eilig hat.

Schwarze Vögel hocken
auf Feldern wüst und rau.
Am Rande Äpfel locken
als Frühstück für den Alten,
und aus den tiefen Falten
reibt er sich Nebeltau.

Die Zweige glitzern eisig
wie schon im Jahr zuvor.
Es raschelt unterm Reisig.
Der Alte streckt die Glieder,
geht alle Jahre wieder
zu seines Hofes Tor.

Die Erde wird von Schnee bedeckt,
ihr Blut fließt unterm Eise.
Sie schläft nun, bis man sie einst weckt.
Gevatter Frost nimmt seinen Stock,
er schließt den weißen Wanderrock
und macht sich auf die Reise.

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Der Greis von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Fingerzeig

Beim ersten Gedicht, das ich in diesem Monat dem Archiv hinzu füge, handelt es sich erneut um Liebeslyrik. Geschrieben habe ich es im Juni 2006, veröffentlicht wurde es bisher noch nicht.


Fingerzeig

Lass’ deine zarte Hand ein wenig noch
auf meiner Wange wärmend ruh’n
Kein Seidentuch, und sei es golddurchwirkt,
vermag den Regen meiner Seele
edler aufzuhalten
Wie sonnig wird’s um mein Gemüt,
wenn meine Nasenspitze deinen Finger grüßt
Und meine Wolken schiebst beiseite du
ie eine Daunenfeder ohne Müh’

Mein Blumenduft, mein Morgentau,
du bist der Wind, der meinen Himmel klärt
Und gleich Persephone erweckst
den Frühling du in meinem Herzen

Ich liebe deine Hand,
die mich erhebt und hält
Nimm sie nicht fort von mir
- nie wieder…

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Fingerzeig von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Freitag, 30. September 2011

Für Tabea

Ab und zu neige ich wirklich zu kitschigen Anfällen. Die Geburt eines Kindes im engsten Freundeskreis halte ich aber für eine gerechtfertigte Ausnahme. Als im Mai 2007 ebensolcher Ausnahmefall eintrat, schrieb ich das folgende Gedicht, kurz bevor das Kind zur Welt kam. Ich war gerade fertig, als ich erfuhr, dass ich als Besucher mal kurz vorbei schauen dürfe. Ich druckte das Gedicht aus und las es der glücklichen Mama - und natürlich dem Baby - noch am Bett vor. Daher kann ich wahrlich behaupten, Tabea das erste Gedicht ihres Lebens vorgelesen zu haben. Die Kombination aus Bild und Gedicht entstand kurz darauf, GIMP sei Dank.


© by Stefan Reichelt, alle Rechte vorbehalten.

Donnerstag, 29. September 2011

Dichterschwur

Als Dichter verfolgt man in der Regel ein bestimmtes Ziel. Manche Ziele sind egoistischer Natur, manche gar politisch. Ein Gedicht transportiert Meinungen und Emotionen und manchmal weiß der Poet selbst nicht, was er mit seinen Worten unbewusst von sich preis gibt. Eine starke Triebfeder und Inspirationsquelle ist die Unzufriedenheit. Vielleicht steht der Schreiberling gerade im Regen an einer roten Ampel, als ihm die Idee zu einem Gedicht über eine einsame, sommerliche Blumenwiese in den Sinn kommt. Vielleicht sitzt er aber auch auf ebensolcher Blumenwiese und wünscht sich, nicht allein dort zu sitzen, was ihn zu einem Liebesgedicht inspiriert.
Beide Gedichte werden das Streben nach einem harmonischen, stressfreien, glücklichen Dasein mit sich tragen.

Auch mein Schaffen ist von der Sehnsucht nach einem friedlichen Miteinander geprägt. Nicht umsonst ist Hans Christian Andersen eines meiner literarischen Vorbilder. Ich denke, dass es uns Erwachsenen gut tut, ab und zu die Welt aus einer (früh-)kindlichen Perspektive zu sehen. Ein Marienkäfer, der einen Baum hinauf krabbelt, kann (und sollte) wesentlich mehr Freude bereiten, als der aktuelle Kontostand. Der Respekt vor scheinbar unwichtigen Details - und die wertfreie Neugier darauf - hilft uns, fremde Sichtweisen zu verstehen und mit der Erkenntnis umzugehen, dass das Unbekannte, Unerwartete auch völlig neue Denkansätze liefern kann und nicht zwangsläufig eine Gefahr darstellt. Genau diese Erkenntnis ist eine Grundlage für ein funktionierendes soziales Umfeld, im Großen wie im Kleinen.
2005 fasste ich dieses Arbeitsmotto wie folgt zusammen:


Dichterschwur

wenn auch nur ein Vogel heller singt
und nur eine Träne des Schmerzes
einer Träne der Erleichterung weicht
wenn auch nur eine Hand, zum Schlag erhoben,
nieder sinkt und tröstend streichelt
wenn auch nur ein längst tot geglaubtes Herz
neu entflammt und innig liebt

dann hab ich nicht umsonst geschrieben
und nicht umsonst gelebt
dann bin ich schon zufrieden

doch schreibend wirken werde ich,
bis dass der Tod mir reißt die Feder aus der Hand
dies sei mein heil’ger Eid.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dichterschwur von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Mittwoch, 28. September 2011

stille Träume

Einfach mal innehalten und träumen - die Gelegenheiten dazu werden immer seltener, bis wir schließlich kalte, abgestumpfte, verbitterte Materialisten sind. Dabei ist es doch so wichtig, geistigen Urlaub vom Alltag nehmen zu können.


stille Träume

Wie oft bist du eingetaucht
tagträumend ins weite Sternenmeer?
Wann fand der letzte Blumenduft
den Weg in deine Nase?
Wann hast du zum letzten Mal
den blauen Himmel stumm betrachtet
und blicktest tausend Wunder?
Kannst du noch träumen, sinnen, denken?

Dann träum, soweit dich deine Träume tragen!
Flieg, wohin dich bringt die Fantasie!
Und wenn du kehrst zurück von deinen Reisen,
dann halt die Augenblicke fest
Mach, dass die Menschen sinnend schweigen
und schenke jedem einen Traum

Der Wert der Stille zeigt sich erst
im lauten, bunten Tosen
einer lauten, bunten Welt
Um alles Sinnen, Denken, Fantasieren
zu ertränken
genügt ein
winziger
Tropfen
Lärm

Anmerkung zur Lizenz: Dieses Gedicht erschien 2006 in der "Campus Artifex" Ausgabe 06/06, Verlag PaperOne, Titel "Und es leuchtet doch...". Da der Verlag die Ausgabe wieder aus dem Programm genommen hat (Restbestände sind über mich erhältlich), stelle ich sie hiermit unter die Creative Commons BY-NC-SA.
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stille Träume von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Dienstag, 27. September 2011

Keine Antwort

Heute mal wieder ein etwas neueres Werk (2007), das noch nirgendwo in gedruckter Form veröffentlicht wurde. Es ist ein wenig im Wilhelm-Busch-Stil geschrieben, den ich persönlich sehr mag.

Keine Antwort

"O Dichter - sag mir was ist Liebe?"
frug mich ein Freund in höchster Not.
"Ist´s nur ein Irrlicht meiner Triebe?
Sind´s Küsse heiß im Abendrot?"

"Liebe ist nicht: Zu ertragen
was des Andern Fehler sind
Liebe ist kein Spiel der Fragen,
Liebe macht nur anfangs blind

Liebe kannst du nicht beschießen
Flüchtig ist sie wie ein Gas
Durch die Finger kann sie fließen
und sie bricht so leicht wie Glas"

"Teurer, lass die üblen Scherze",
sprach der Freund in hellem Zorn.
"Ist´s im Dunkeln eine Kerze,
ist´s des Lebens Samenkorn?"

"Bester", sprach ich, "an der Liebe
brach manch' Federkiel entzwei
glaubst du, dass ich drüber schriebe
wenn ich wüsste, was es sei?"

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Keine Anwort von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Montag, 26. September 2011

Einsamkeit?

Einer meiner persönlichen Favoriten: Diese Zeilen beschreiben, wie schwierig und deprimierend es ist, jemandem Trost zu spenden, der keine Hilfe annehmen kann.

Einsamkeit?

Gestern sah ich dich im Traum
Du lagst allein auf deinem Bett
Und deine Lippen formten
einen Wunsch:
Ein Wind möge kommen
und dich trösten
Er soll dich tragen
in ferne Welten,
weg von den Sorgen

Durch das geöffnete Fenster
wehte nur ein leichter Hauch
Er strich über deine Wange
und deine Tränen trockneten
Doch du weintest neue.
Der kleine Wind
fuhr über deinen Arm
erzeugte eine lustige Gänsehaut
damit du wieder lachst
Und du decktest dich zu.
Er pustete sanft in deine Augen
Damit du müde wirst
und im Schlaf Ruhe findest.
Doch du drehtest dich
einfach auf die Seite
Die Luft
streichelte sanft deine Wange
um dich zu trösten
Doch du klagtest nur,
über Einsamkeit

Und auf dem Fensterbrett
Saß ein kleiner Lufthauch
und weinte.

Anmerkung zur Lizenz: Dieses Gedicht erschien 2006 in der "Campus Artifex" Ausgabe 06/06, Verlag PaperOne, Titel "Und es leuchtet doch...". Da der Verlag die Ausgabe wieder aus dem Programm genommen hat (Restbestände sind über mich erhältlich), stelle ich sie hiermit unter die Creative Commons BY-NC-SA.
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Einsamkeit von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Sonntag, 25. September 2011

Warten auf die Liebste

Zum Sonntag ein klassisches Liebesgedicht. Es orientiert sich stark an traditionellen romantischen Motiven. Dennoch kann die erwähnte Liebste bestätigen, dass es eine wahre Begebenheit nacherzählt. :)

Warten auf die Liebste

Ich blickt’ von einer Brücke klein
voll Wehmut in die Nacht
Im Wasser tanzte Mondenschein
Ein Windhauch küsst’ mich sacht

Es ward mir ach das Herz so schwer
Der Augenblick zur Stund’
Ich hatt’ schon keine Hoffnung mehr
Zu küssen ihren Mund

Und wie ich auf der Brücke stand
im hellen Mondenlicht
berührte eine zarte Hand
liebkosend mein Gesicht

Und unsre Lippen trafen sich
So endet die Geschicht:
Mit Worten wie „Ich liebe dich!“.
Und mehr erzähl’ ich nicht

Anmerkung zur Lizenz: Dieses Gedicht erschien 2006 in der "Campus Artifex" Ausgabe 06/06, Verlag PaperOne, Titel "Und es leuchtet doch...". Da der Verlag die Ausgabe wieder aus dem Programm genommen hat (Restbestände sind über mich erhältlich), stelle ich sie hiermit unter die Creative Commons BY-NC-SA.
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Warten auf die Liebste von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Freitag, 23. September 2011

Vor dem Sturm

Dieses Gedicht schrieb ich ebenfalls im äußerst produktiven Jahr 2005. Es ist eine Mahnung, offen mit den eigenen Gefühlen umzugehen.

Vor dem Sturm

ein kühler Hauch streicht über Gräser
die Sonne schwindet,
düstre Wolken
bringen die Natur zum Schweigen
auch du schweigst
immer tiefer dein Atmen
den stärker werdenden Wind
versuchst du aufzusaugen
weil du hoffst,
dem Sturm die Kraft zu nehmen
wenn er losbricht
das leise Grollen ignorierst du
prickelnde Wassertropfen
wischst du angewidert weg
es wird schon keinen Regen geben
die Bäume erzittern
auch du zitterst
mehr und mehr Wind
nimmst du in dich auf
die edle Ruhe,
die du ausstrahlst
ist Feigheit unter
arroganter Maske
und du stellst dich trotzig auf
willst bremsen jeden Sturm
weil du dich fürchtest
und du weißt
dass er sich in dir sammelt
bis zum Bersten bist du gefüllt
was willst du tun,
wenn das Gewitter kommt?

Anmerkung zur Lizenz: Dieses Gedicht erschien 2006 in der "Campus Artifex" Ausgabe 06/06, Verlag PaperOne, Titel "Und es leuchtet doch...". Da der Verlag die Ausgabe wieder aus dem Programm genommen hat (Restbestände sind über mich erhältlich), stelle ich sie hiermit unter die Creative Commons BY-NC-SA.
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Vor dem Sturm von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Donnerstag, 22. September 2011

Schlafe, kleine Rose

Heute ein Gedicht, das ich 2005 als Schlaflied für meine Liebste geschrieben habe. Manchmal singe ich es ihr sogar mit einer kleinen Pseudomelodie vor. Wenn sich jemand berufen fühlt, ein richtiges Lied daraus zu machen - nur zu!

Schlafe, kleine Rose

Kleine, rote Tropfen
fallen auf die Erde
Deine Dornen stechen tief
wilde, schwarze Rose

Kaltes Wasser trankest du
mit deinen zarten Wurzeln
Deine Blätter wundergrün
neigen sich zu Boden

Schwere Winde beugten dich
traurig hängt dein Köpfchen
Goldnen Nektar bittersüß
weinest du wie Tränen

Siehst du nicht den Mondenstrahl
der dich küsst im Traume?
Und die Nacht, die dich bedeckt
mit dem schwarzen Kleide?

Über deinem Bett zwei Stern’
die Augen eines Engels
Zage nicht, mein Blümelein
erhole dich vom Tage

Träume süß und schlafe fein
kleine, schwarze Rose
Morgen früh im Sonnenschein
sind die Sorgen halb so groß…

Anmerkung zur Lizenz: Dieses Gedicht erschien 2006 in der "Campus Artifex" Ausgabe 06/06, Verlag PaperOne, Titel "Und es leuchtet doch...". Da der Verlag die Ausgabe wieder aus dem Programm genommen hat (Restbestände sind über mich erhältlich), stelle ich sie hiermit unter die Creative Commons BY-NC-SA.
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Schlafe, kleine Rose von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Montag, 19. September 2011

Schönheit ist ein wankelmütig' Maß...

Dieses Gedicht (entstanden im März 2006) passt stilistisch und inhaltlich überhaupt nicht zum Rest der Sammlung. Es ist rebellisch, direkt und erkennbar von Volly Tanners unverblümter Ausdrucksweise beeinflusst. Auf Lesungen war es immer eine willkommene Auflockerung. Mehr muss ich nicht erklären, ich denke, es spricht für sich selbst.

Schönheit ist ein wankelmütig' Maß...

Da laufen sie, die Knochenhuren
auf den Brettern, die das Geld bedeuten
In ihren leeren Augen thront der Stolz
auf hautbespannte Beckenknochen
Mit stolz geschwellter Knabenbrust
und klapperdürren Stelzenbeinen
schwanken sie den Steg entlang
wie es ein Dromedar nicht besser könnte
Ihr falsches Lächeln verzaubert
dekadente Männer scharenweise
O seht die laufenden Skelette,
wie anmutig sie wandeln!
Und ihre Rippen seh' ich alle
wie sind sie wohlgeformt!
Und sie verkaufen sich, erbrechen sich
die Hungertücher tragen sie
wie sündhaft teure Mäntel
und kränken so in dummer Einfalt
die wahren Hungerleider
O Welt, wie bist du alt geworden,
dass dich des Weibes Üppigkeit
nicht mehr erregt!
Gerippe sollen in die Erde,
nicht ins Rampenlicht

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Schönheit ist ein wankelmütig' Maß... von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Freitag, 16. September 2011

In Memoriam

Geschrieben 2005, um einem Freund Trost zu spenden, hat sich dieses Werk auf zahlreichen Lesungen zum Klassiker etabliert und gehört somit unbedingt in diese Sammlung.


In Memoriam

Eine Kerze erlischt
Heiße Perlen aus Salz
bahnen sich Ihren Weg
durch Täler, die der
Schmerz geschaffen

Weine nur.

Die letzte Glut des Dochtes
schwindet leis' ins Nichts
Weißer Rauch steigt auf
sanft verblassend.
Deine Hände halten ihn nicht auf.

Weine nur.

Nie mehr wird diese
Flamme leuchten
denn keine ist
der nächsten gleich
Gedenke Ihrer liebevoll

Weine nur.

Jede Flamme
brennt sie auch noch so kurz
erhellt die Nacht ein wenig
und auch ihr Leben
hat sich gelohnt

Weine nicht.

Wie kurz doch brennt
unser aller Herzensflamme
und wie bedeutungslos
die Spanne dieser Zeit
Wichtig ist nur: Sie brannte.

Weine nicht.

Der alte Mann,
der viel erreicht
Das kleine Kind,
das nie geboren ward
Sie beide brachten
Glück und Liebe in die Welt
so weit sie ihre Kräfte trugen
Und jeder Tod ist nur
Das Siegel eines Lebenswerkes

Warum weinst du?

Anmerkung zur Lizenz: Dieses Gedicht erschien 2006 in der "Campus Artifex" Ausgabe 06/06, Verlag PaperOne, Titel "Und es leuchtet doch...". Da der Verlag die Ausgabe wieder aus dem Programm genommen hat (Restbestände sind über mich erhältlich), stelle ich sie hiermit unter die Creative Commons BY-NC-SA.
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In Memoriam von Stefan Reichelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Donnerstag, 15. September 2011

Keine Worte

Dieses Gedicht trug ich auf meiner ersten Lesung, am Valentinstag im Jahre 2004, vor. Ich schrieb es für die wunderbare Frau, die es immer noch an meiner Seite aushält und ohne die mein Leben furchtbar langweilig wär'.
Es befindet sich zudem in meinem ersten Büchlein "Fallen Seraph: AusLese", das ebenfalls 2004 im Engelsdorfer Verlag erschien.


Keine Worte

Ich wollt' dir schreiben ein Gedicht
Zu sagen was ich fühl und denk
Und zu erhellen dein Gesicht
Mit einem Valentinsgeschenk

Doch ach, die Feder senkt' ich trüb
Die Zeit verrann mir wie im Flug
Mit welchem Eifer ich auch schrieb:
Der Worte gab es nicht genug

Um zu beschreiben meine Liebe
Und wie ich mich nach dir verzehr
Egal was immer ich auch schriebe
Die Sprache reicht schon lang nicht mehr.

Ich wollt beschreiben deine Augen
Für die Smaragde Kiesel werden
Doch meine Zeilen gar nichts taugen
Es gibt kein Wort dafür auf Erden

Ein feiner Dichter bin ich nun:
Wie sag ich, dass du mir gefällst?
Da kann ich wirklich gar nichts tun
Weil du selbst Venus in den Schatten stellst

Die Grübelei erhellt kein Licht
So sehr mir zum Verdruss
Ich liebe dich! Mehr sag ich nicht
Den Rest sagt dir mein Kuss.

© by Stefan Reichelt